Ständiges Streiten im Alltag – Hilft jetzt nur noch eine Paartherapie?

Jeder kennt die typischen kleinen Streitigkeiten in einer Beziehung. Der Partner lässt z.B. seine Sachen überall herum liegen oder räumt sein Geschirr nicht weg. Diese kleinen Konflikte können meist schnell wieder gelöst werden. Was ist aber, wenn es in einer Beziehung immer häufiger kriselt oder schwerwiegendere Probleme zu Tage kommen?

Paartherapie bei Streit der letzte AuswegEine Möglichkeit wäre die Paartherapie. Doch die ist teuer und nicht für jeden etwas. Besonders Männer tun sich häufig schwer damit, die Probleme mit einer dritten Person zu besprechen. Frauen fällt das grundsätzlich leichter, da Frauen sich mit ihrer Beziehung kritischer auseinandersetzen als Männer. Für Frauen ist es selbstverständlich, über Details ihrer Beziehung zu reden. Männer hingehen nehmen manche Missstände gar nicht erst wahr oder können diese besser aushalten als Frauen.

Oft ist es gar nicht nötig, zu einer Paartherapie zu gehen, da kleine Veränderungen oder Denkanstöße schon vieles in Eurer Beziehung bewirken können. Wir haben hier 5 Tipps, um Eure Beziehung wieder in die richtigen Bahnen zu lenken.

Wann lohnt es sich, um eine Beziehung zu kämpfen?

Sobald Du merkst, dass Deine Gefühle bzw. Deine Zuneigung zu Deinem Partner noch sehr stark sind, lohnt es sich, um die eigene Beziehung zu kämpfen. Es ist dabei völlig egal, was bisher vorgefallen ist oder wie oft ihr euch streitet. Selbst wenn der Partner untreu war, krankhaft eifersüchtig ist, emotional abhängig, Besitz ergreifend oder ihr schon getrennt seid.  Sobald die Gefühle noch da sind, lohnt sich der Kampf, um die Beziehung zu retten. Natürlich müssen beide Partner auch aktiv an der Beziehung arbeiten wollen.

Solltest Du zu Themen wie Eifersucht, Ehrlichkeit, Seitensprung/Untreue oder Trennungsschmerz weitere Informationen benötigen, haben wir zu jedem Thema weitere Artikel für Dich. Klicke dazu am unteren Ende des Beitrags auf die Übersicht, und dann auf das entsprechende Thema.

5 Tipps, um den Teufelskreis des Streitens zu durchbrechen

(1) Konflikte erkennen und reflektieren

Zu einem Streit gehören immer zwei. Das wird leider viel zu häufig vergessen oder zur Seite geschoben. Aus dem einfachen Grund, dass viele Menschen sich nicht selbst an die eigene Nase fassen und dem anderen die Schuld zuschieben. Schließlich ist das einfacher als sich dem Grundsatz des Problems zu widmen und sich mit sich selbst auseinanderzusetzen.

Sich dessen bewusst zu werden und sich selbst ganz ehrlich zu fragen: „Was könnte ich selbst verändern/verbessern, damit man sich als Paar wieder besser fühlt?“ kann auch sehr viel bewirken.

In den meisten Fällen drehen sich die Konflikte und Streits um die immer gleichen Themen und kochen erneut hoch. Das resultiert meist aus Kommunikationsproblemen, da dem Gegenüber nicht zugehört wird oder Probleme nicht klar mit dem Partner kommuniziert werden.

(2) Probleme benennen und ansprechen

Ehrlichkeit und eine aufrichtige Kommunikation mit dem Partner sind das A und O für eine funktionierende, lange und gesunde Partnerschaft. Häufig wissen Paare gar nicht, woran es eigentlich hapert. Aus diesem Grund ist es unglaublich wichtig, das offene Gespräch mit dem Partner zu suchen.

Ist man offen mit dem Partner und sagt ihm ehrlich und offen, wie man sich gerade fühlt, kann man sich gegenseitig viel besser in den anderen hineinversetzen. Beziehungsprobleme lassen sich so viel einfacher angehen und beheben, wenn das Verständnis für den anderen erst einmal da ist.

(3) Die richtige Kommunikation

Manchmal ist ein Streit in einer Beziehung unvermeidbar. Das Problem dabei ist nicht der Streit an sich, sondern die Tatsache, dass wir Kritik an unserer Person immer als Angriff wahrnehmen. Erst recht, wenn es von unserem geliebten Partner kommt. Je schwächer unser eigenes Selbstwertgefühl ist, umso stärker empfinden wir die Kritik als Angriff und umso heftiger reagieren wir darauf.

Um das richtige Streiten zu lernen, denk zunächst einmal an Euren letzten Streit zurück und reflektiere Euren Streit rational. Was hat Dich richtig wütend gemacht? Wann hast Du Dich danach beruhigt bzw. wann warst Du bereit, wieder einen klaren Gedanken zu fassen? Hättest Du vielleicht anders reagieren können?

Es gehören zwei zu einer BeziehungWie vorher schon erwähnt, lässt Kritik, auch wenn diese berechtig ist, uns in eine Verteidigungshaltung übergehen. Im Streit kommt es zu Wut, wir fühlen uns verletzt, angegriffen und werden blind für rationale Gedanken. Wir handeln nur noch im Affekt. Es kann aber auch nicht sein, dass wir gar keine Kritik an unserem Partner ausüben dürfen. Hier kommt es auf die richtige Übermittlung der Kritik an.

Als Beispiel: „Nie räumst Du deine Klamotten weg!“ würde von deinem Partner sofort als Angriff wahrgenommen werden, und es würde zum Streit kommen. Besser wäre hier: „Ich würde mir wünschen, dass Du das nächste Mal Deine Sachen wegräumst.“ Dein Partner erkennt seine Fehler so viel schneller und wird viel eher Verständnis dafür aufbringen.

Wenn Dein Partner versucht, Dir gegenüber einen Wunsch auszudrücken, solltest Du darauf eingehen und diesen Wunsch akzeptieren. Selbst wenn es für Dich komplett unverständlich erscheint, solltest Du die Ansicht und den Wunsch Deines Partners respektieren. Eine Partnerschaft basiert auf gegenseitiger Rücksichtnahme. Auch Dein Partner wird Dir zuliebe Rücksicht auf Dinge nehmen, die er/sie nicht versteht.

(4) Die Bedeutung von Vertrauen

Was wäre eine Beziehung ohne gegenseitiges Vertrauen? Vertrauen ist der wichtigste Grundstein einer jeden Beziehung. Wer vertraut, kann sich auf den anderen verlassen, aufeinander einlassen oder in schwierigen Zeiten auch fallen lassen und wird aufgefangen. Es gibt kaum ein schöneres Gefühl zu wissen, einen verlässlichen Partner hinter sich zu haben. Daraus ergibt sich allerdings auch eine Art von Abhängigkeit. Bei übermäßiger Abhängigkeit spricht man von seelischer oder emotionaler Abhängigkeit. Diese Form von Abhängigkeit ist sehr gefährlich und kann eine Beziehung auch zerstören. Damit Du weißt, ob Deine Beziehung vielleicht von emotionaler Abhängigkeit betroffen ist und Du die ersten Anzeichen davon leichter erkennen kannst, haben wir hier einen Artikel dazu für Dich verfasst.

Eine gewisse Art von Abhängigkeit gehört in jede Beziehung und das ist auch gut so. Denn eine gesunde Art von Abhängigkeit steht für Vertrauen und Zusammenhalt.

(5) „Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser!“

Älteres glückliches PaarIn einer Beziehung kommt es nicht selten vor, dass einer der Partner übermäßig eifersüchtig und/oder besitzergreifend ist. Wie wirkt sich einseitige übermäßige Kontrolle auf eine Partnerschaft aus? Kritisch wird es, sobald ein Part immer alles bestimmt und Macht ausübt, während der andere immer nachgeben muss.

Diese Kontrolle dient in den meisten Fällen dazu, die eigenen Verlustängste und Selbstzweifel zu kompensieren. Der kontrollierte Partner empfindet dieses Verhalten oftmals sogar als völlig in Ordnung und gerechtfertigt (Das ist es definitiv NICHT!), was aus einem geringen Selbstwertgefühl resultiert.

  • Um die ersten Warnzeichen zu erkennen, kannst Du Dir folgende Fragen stellen:
  • Schüchtert Dein Partner Dich ein?
  • Macht Dein Partner Dich und Deine Leistungen klein?
  • Kontrolliert Dein Partner Dich oft durch Anrufe oder unangemeldete Besuche, um zu überprüfen, ob Du wirklich dort bist?
  • Hält Dein Partner Dich davon ab, Dinge zu tun, die Du gerne tust?
  • Macht Dein Partner Dich für seine Gefühle verantwortlich?
  • Muss Dein Partner immer das letzte Wort haben?
  • Hast Du das Gefühl, dass es keinen Ausweg aus der Beziehung gibt?
  • Redet Dein Partner abwertend über Deine Freunde, Deinen Kleidungsstil, Deinen Beruf, Deine Hobbys oder gibt abwertende Kommentare ab?
  • Rechtfertigst Du Dich für das Verhalten Deines Partners ständig vor anderen Leuten?
  • Zwingt Dich Dein Partner zu Dingen, die Du gar nicht tun willst?
  • Hast Du das Gefühl, dass Dein Partner nie mit Dir zufrieden ist, egal was Du tust?

Leider erkennen Betroffene oftmals nicht, dass sie in ihrer Beziehung kontrolliert werden. Das Sprichwort „Liebe macht blind“ trifft leider viel zu häufig zu. Wenn Du der Meinung bist, dass Dein Partner Dich kontrolliert, solltet ihr eine Paartherapie aufsuchen. Da eine Kontrollsucht aus Verlustängsten und einem geringen Selbstwertgefühl entspringt, ist diese in der Regel sehr gut behandelbar.

Info und Fazit

Eine Paartherapie wird nicht von der Krankenkasse bezahlt. Die Sitzungen finden in der Regel nach Bedarf ein- oder zweimal im Monat statt. Preislich liegt eine einstündige Sitzung zwischen 70 und 120 Euro. Wie viele Sitzungen ein Paar braucht, ist sehr unterschiedlich und erstreckt sich über mehrere Monate bis zu einem Jahr.

Hier möchte ich die Gelegenheit nutzen und Dir unser Beziehungsratgeber-eBook empfehlen. Darin erfährst Du nicht nur, wie Du Beziehungskonflikte vermeidest, sondern auch, wie Du eine harmonische und liebevolle Beziehung auf Augenhöhe führst.

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